Wahlgeplapper

Wieso der Röttgen plötzlich abschalten will

Fossile Energieträger werden knapp und die Verbrennung bzw. Verstrahlung ebendieser lässt ziemlich viel Müll zurück. Die Grünen sagen schon seit mehr als 30 Jahren, dass es nicht sinnvoll ist, wertvolle Rohstoffe zu verbrennen und hochriskanten Müll irgendwo zu vergraben. Und wie es so aussieht, scheinen diese Meinung immer mehr Menschen zu teilen. Sehr zum Ärger der Kandidaten auf lauschige Parlamentssitze in NRW.

Ganz vorn dabei sicher die besten Freunde des Dr. Röttgen, denn er stammt aus NRW und hat dort auch seinen Direktplatz für den Bundestag ... gewonnen. Und obwohl er eigentlich als einer der besten Vertrauten der Kanzlerin gilt, wagt er den Versuch und philosophiert ein wenig öffentlich, wann man denn nun die Atomkraftwerke in Deutschland abschaltet. Während seitens der Industrie ja schon Verlängerungen auf bis zu 60 Jahre gewünscht wurden, ist die Regierungspolitik da eher unbestimmt.

Lediglich der Umweltminister, seines Zeichens Dr. iur. und ehemaliger Kandidat für den Posten des Hauptgeschäftsführers des BDI, kommt nun zur Ansicht, dass es ja auch alles viel schneller gehen könnte. 2030 legt er als Zahl auf den Tisch und die Ankündigung Biblis A und Neckarwestheim 1 auch dann mal irgendwann abzuschalten. Letzteres wäre sowieso schon längst geschehen, hätten die Betreiber die Betriebserlaubnis der Anlagen nicht durch geschickte Wartungsintervalle bis hinter die Bundestagtagswahl gerettet. Und die aktuelle Regierung betreibt nun einfach Salamitaktik und lädt einfach alle 6 Monate zur unverbindlichen Plauderrunde.

Was der Herr Röttgen da macht, ist also schon sehr mutig. Schützenhilfe bekommt er vom Bundesumweltamt, das sogar das Jahr 2020 für realistisch hält. Bis dahin sollten 40% regenerative Energie in Deutschland machbar sein. Wenn man sieht, dass hierzulande allein fast 25 GW Windkraftanlagen installiert sind und jedes Jahr 1-2 weitere GW hinzu kommen, dann klingt das gar nicht so utopisch.

Aber da haben natürlich einige Unternehmen Angst um ihre Gewinne. Und ob es nun die Medienindustrie oder die Energiewirtschaft ist, die Reaktionen sind gleich. Zu erst wird versucht an alten Strukturen fest zu halten und nur wenn sich abzeichnet, dass da nichts mehr zu machen ist, muss neu überlegt werden. Bei der Medienindustrie sind es Kopierschutz, Netzsperren und 3-Strikes, bei der Energieindustrie die schlecht geeigneten Stromnetze, die angebliche Unberechenbarkeit von regenerativer Energie und neuerdings auch die CO2-freundlichkeit der Atommeiler.

Das würde alles also bestens funktionieren, wenn es da nicht die Öko-Industrie gäbe, die in der Zwischenzeit einen erheblichen Einfluss aufgebaut hat. Mittlerweile arbeiten tausende Menschen in der Produktion von Windkraftanlagen, Solaranlagen oder anderen Arten von neuartigen Kraftwerken. Es fehlt ein intelligentes Stromnetz mit genug Speicherkapazitäten (z.B. via Pumpspeicherkraftwerken) und genug Einspeisepunkten. Doch anstatt diese Infrastruktur aufzubauen, wird seitens der Konzerne das Stromnetz sogar noch ausgedünnt und als politischer Hebel verwendet.

Aber irgendwie haben alle Kampagnen zur Verblödung der Massen noch nicht so richtig angeschlagen. (Oder es braucht einfach noch ein paar Jahre.) Jedenfalls rennen die Wähler den Grünen nur so zu. Schön für die Grünen, schlecht für alle anderen. Also gibt man sich ein wenig grün. Aber auch nicht so viel, weil das verschreckt ja die Stämmwähler.

Und so kommt es dann, dass Dr. rer. nat. Merkel (Physikerin) dem Dr. iur. Röttgen (Anwalt) mitteilen lässt, dass man sich an die Verabredungen halten müsse und weiterhin auf strahlende Zukunft setzt. Aber was hätte man auch von ihr erwarten sollen. Immerhin hat sie ja auch als Kohlsches Mädchen die alten Castoren als sicher deklarieren lassen. Wie sich später herausstellte, war das falsch.

chu Sonntag 21 Februar 2010 at 09:25 am | | Politik

Kein Kommentar

Emoticons

Bitte die korrekte Zahl eintragen. Damit soll robot-spam vermindert werden.
 

Persönliche Informationen speichern?
E-Mail Adresse nicht anzeigen
Small print: All html tags except <b> and <i> will be removed from your comment. You can make links by just typing the url or mail-address.